Am 23.10.1986 um 00:14 Uhr hatte ich großes Glück… ich erblickte trotz einiger Komplikationen das Licht der Welt.

Trotz des Sauerstoffmangels bei diesem Ereignis war ich kerngesund und appicht darauf, das Leben hinter dem Licht kennen zu lernen.

Noch am selben Tag gelang mir meine erste selbstständige Tat… ich drehte mich aus eigener Kraft um.

Klingt unspektakulär, gelang meinen Mitsäuglingen jedoch erst nach 1-2 Wochen.

Diesen Eifer behielt ich auch noch einige Jahre lang bei.

So gelang es mir mit 3 Monaten von selber auf zu stehen und mit 4 Monaten konnte ich Rennen. (Ruhiges Laufen lernte ich erst etwas Später)

Mit 12 Monaten konnte ich mich fließend so artikulieren, dass nicht nur die Blutsverwandten mich verstehen konnten.

Alles in Allem ein recht guter Start… das einzige Problem mit mir war, dass ich Essen als Zeitverschwendung betrachtet habe und beinah künstlich ernährt werden musste.

Als ich begriff, dass meine Eltern um jeden Bissen von mir gekämpft haben, erkannte ich, dass ich sie durch eine „besondere“ Fähigkeit beherrschen kann.

Ich konnte nämlich schon immer auf befehl kotzen – ohne zu würgen und ohne mir etwas in den Rachen zu rammen.

 

Allgemein betrachtet war ich ein unheimlich einfaches Einzelkind. Hab gerne alleine gespielt, war nicht quengelig, nie krank und sehr bescheiden. Es gab nur wenige Probleme mit mir.

Meine Mutter sagte zu mir immer „Quengle nicht – bring Argumente wenn du was willst“.

So kam es, dass ich sie noch vor meinem ersten Schultag unter den Tisch diskutiert habe.

Von da an sagte sie nur noch: „Hör auf zu diskutieren!“ Aber da sie mir keine guten Argumente dafür bringen konnte, hab ich nicht auf sie gehört und so wurde es immer schwerer mir Grenzen zu setzen. Dies war allerdings auch gar nicht nötig, da ich wie gesagt ein sehr unproblematisches und liebes Kind war.

Nur einmal gab ich meiner Mutter eine Ohrfeige… wieso weiß ich nicht mehr... aber ich erinnere mich noch sehr gut an ihre Rache. (Meine Mutter ist eben so fies wie Rachsüchtig… zwei Eigenschaften die ich im Laufe der Zeit übernommen habe.)

 

Bei der nächsten Weihnacht kam der Weihnachtsmann zu uns.

Es war unser Nachbar für den meine Mutter ein Kostüm genäht hatte… er Trug auch einen großen Sack über der Schulter.

Hierbei muss ich dazu erwähnen, dass bei uns der Weihnachtsmann und Knecht Rubrecht ein und die selbe Person war und dass er bösen Kindern nicht einfach Kohle geschenkt hat oder eine Rute, sondern er hat sie mit genommen.

Also: der Weihnachtsmann bringt einem entweder nette Geschenke oder nimmt dich für immer mit.

Meine Mutter wusste von meiner nachvollziehbaren Angst vor dem Weihnachtsmann und nutzte dies schamlos aus. Zurück zum besagten Tag:

Der große Sack über seiner Schulter hatte ein ausgestopftes Strumpfhosenbein angenäht, so dass es so aussah, als hätte er schon das ein oder andere Kind eingesackt und mitgenommen.

Er beugte sich zu mir runter und fragte mich als erstes, wieso ich meiner Mutter vor 4 Monaten eine Ohrfeige gegeben habe.

So viel Angst wie in diesem Moment hatte ich bis Heute nicht.

Soviel zu meiner Mutter.

 

Mein Vater ist von Natur aus ein aggressiver Choleriker. Aber in meiner Kindheit war er der liebste Vater den man sich vorstellen kann. Er kann unheimlich gut mit Kindern umgehen und hat mir viel Blödsinn beigebracht. Er hat mir 4 Jahre lang jeden Abend eine Geschichte Erzählt. Und es war jedes Mal eine selbst erfundene und sehr lehrreiche Geschichte über Karlchen, ein sprechender Hund, welcher aktives Mitglied bei Green Peace war. Von Zeit zu Zeit kamen einige Kameraden dazu zB. Eine lange Schlange, die sich 3 Mal um ein Haus wickeln konnte, ein weiterer Hund mit untertassen-teller-großen Augen, uvm. Ich war zwar erst 4 Jahre alt, aber die Geschichten lehrten mich sehr viel über Geographie, Geschichte, Umweltschutz, Ethik und Moral. Beeindruckend wie er sich jeden Abend auf Kommando eine lange Geschichte aus den Fingern saugen konnte.

 

Im Alter zwischen 5 und 10 Jahren sind wir ca. einmal im Monat in ein Baggerloch gefahren - manche werden es eher als Kiesgrube kennen – Jedenfalls ein großer Ort wo die unterschiedlichsten Steine und Sand-Arten ausgegraben und gefördert wurden.

Für mich zählten diese Tage zu den schönsten in meinem Leben.

Eine riesige, menschenleere Landschaft:

Hohe Klippen zum herauf klettern, 30 Meter hohe Berge, bestehend nur aus Puder-Sand.

Vereinzelt lagen Steine herum so groß wie unser Auto.

Im hinteren Bereich war ein großer See. Dieser See offenbarte sich aber erst nach 50 Metern als Flüssigkeit. Die Ersten 50 Meter war er von einer Schicht aus Erde, Ton, Lehm, und Sand bedeckt. Diese Schicht war tragend, aber sehr elastisch.

Man kann es sich so vorstellen wie die Haut auf heißer Milch… nur entsprechend etwas dicker.

Man konnte auf ihr laufen… allerdings nicht springen. Nach einem Sprungversuch meines Vaters durchbrach er die Schicht mit einem Beim und versank schlagartig bis zur Hüfte ( Allerdings nur mit dem einen Bein welches durch die Schicht gebrochen war)

Als er es heraus zog war es mit braunem Schlamm bedeckt.

 

Von diesem See aus lief ein kleiner Bach quer durch das Gebiet und belebte die Umgewühlte Umgebung durch eine reiche Anzahl an Pflanzen und Insekten.

Unbegrenzter Vorrat an Holz, Lehm, Steinen und Sand weckte ins uns jedes Mal das Bedürfnis ein Staudamm für den kleinen Bach zu bauen.

Damit konnten wir uns jedes Mal aufs Neue ewig lange beschäftigen.

 

Besonders großen Spaß hat es auch gemacht, auf den Puder-Sand-Berg zu klettern und von der Spitze so weit wie möglich zu springen.

Wir sind zwar immer nur 3-4 Meter vorwärts gesprungen, aber durch die starke Neigung des Berges ( welcher wie ein Kegel geformt war ) sind wir dabei 5 - 6 Meter Nach unten gefallen, auf dem schräg liegenden Pudersand aufgekommen und entweder bis zum Bauch darin versunken, oder -wenn der Schwung nach Vorne zu groß war- den ganzen Berg herunter gerollt.

 

Dies war eine sehr lehrreiche Zeit für mich… Nicht nur, dass mein Körper dadurch super trainiert wurde, ich lernte auch, dass die „Lebensgefahr!“-Schilder die überall herum standen, nur der Versicherung dienten ( Es war übrigens verboten sich dort aufzuhalten und so lernte ich gleichzeitig, dass nicht alle Verbote zwangsläufig eingehalten werden sollten. )

Das war definitiv die schönste Zeit in meinem Leben.

 

Während meine Mutter eher der Typ für Subtile, fiese Racheaktionen war, ist mein Vater eher zu offensiven Rachen geneigt.

Im Alter von 2 – 4 wohnten wir in einem kleinen Dorf in Rinteln (Niedersachsen) und hatten unsere Vermieter direkt unter uns wohnen. Dies war eine schreckliche Familie mit einem verzogenen Kind in meinem Alter. Hier lernte ich  Bescheidenheit – denn wenn ich diesem Kind nicht meine Spielsachen gab oder irgendwas für ihn nicht gemacht habe, durfte ich nicht mehr in den Garten und musste oben an meinem Fenster zugucken wie er auf der Wiese gespielt hat.

Laut lachen durfte ich auch nicht, denn dann haben sich die Vermieter sofort beschwert.

Das war keine schöne Zeit für mich…darum zogen wir in meinem Alter von 4 Jahren um – womit ich zu der offensiven Rache komme, die ich etwas weiter Oben angedeutet habe.

Unsere Vermieter hatten eine riesige Stockrose, die an der Hauswand wuchs und bis zum Dach reichte. Sie war ihr ganzer Stolz.

In der Nacht nach unserem Auszug schnitt mein Vater sie unmittelbar oberhalb der Wurzel ab. In dieser Nacht nahm er mich mit, sodass ich dabei zusehen konnte.

Ich kann nur spekulieren, aber auch bei all seinen anderen Racheaktionen die er für mich ausübte nahm er mich mit.

Wahrscheinlich um mir zu zeigen, dass man sich immer zu Wehr setzen sollte, wenn einem Unrecht widerfährt.

 

Meine Grundschullehrerin war ein personifizierter Griff ins Klo. Sie hasste Kinder und besonders hasste sie Jungen… und da ich viel diskutiert habe, mir nichts gefallen lies und frech war, hasste sie mich umso mehr.

Die Zeit in der Grundschule war dementsprechend auch keine schöne Zeit…

In der Nacht in der ich meinen Abschluss hatte, sind mein Vater und ich zur ihr gefahren und haben Baldrian um das Haus geschüttet.

Sie wohnte, genau wie wir, in einem Dorf das voller Bauernhöfe und dementsprechend voller Katzen war. Baldrian hat für Kater den gleichen Geruch wie eine rollige Katze, sodass sich alle Kater weit und breit um das Haus versammelten und wie am Spieß gekreischt haben.

 

Erziehung bringt tatsächlich was… denn sowohl die subtilen, hinterhältigen Rachepläne meiner Mutter, als auch die offensiven und kreativen Racheaktionen meines Vaters habe ich bis Heute verinnerlicht. Mir wurde nie ein Unrecht zu Teil für das ich mich nicht fürchterlich gerächt habe- teilweise auch an meinen Eltern… aber diese Geschichten sind Teil meiner Jugend.

Also, liebe Leser, die ihr scheinbar nichts Besseres zu tun habt als die Chronik irgendeines vollkommen unbekannten Typen zu lesen, gebt Acht was ihr euren Kindern lehrt!

Behandelt sie so wie ihr selber später behandelt werden wollt.

 

Höchst wahrscheinlich werde ich diesen Text noch etwas ausfüllen, aber das Ende meiner Kindheit ist sehr statisch:

 

Sie endete im Sommer als ich 12 Jahre alt wurde.

Mein Vater wurde von seinen Vorgesetzten aus dem Job gemobbt und verbrachte von nun an die Zeit zuhause und baute dort seinen Frust ab.

 

 

























































































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